© Birger Schwarz / Kirchengemeine Meinerdingen

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Feierlichkeiten zum 750-jährigen Kirchenjubiläum

Nachricht Meinerdingen, 29. August 2019

... lassen das Gemeinschaftsgefühl weiter wachsen

Festgottesdienst750-Gemeinde

Grundsätzlich ist unser Pastor ja ein fröhlicher Mensch, in der Öffentlichkeit immer gut gelaunt. Es gibt besondere Anlässe, da macht man sich aber auch schon mal Sorgen. „Heute Abend muss Sigrid seine Mundwinkel erstmal nach unten ziehen. Sonst bekommt Thomas vom Dauerlächeln noch einen Krampf“, hat neulich jemand beim Gemeindefest lachend gesagt. Der Gesichtsausdruck von Thomas Delventhal ist der Gradmesser, wenn jemand wissen will, wie es der Kirchengemeinde Meinerdingen und ihren rund 2500 Mitgliedern geht. Das ist natürlich im Jahre des 750. Jubiläums besonders wichtig. Alle, die bei den vier Großveranstaltungen des Jubiläumsjahres dabei waren (und das waren sehr viele), werden zum gleichen Urteil kommen: Nicht nur ihr Pastor, alle Beteiligten haben allen Grund fröhlich und auch stolz zu sein. Mit Lobeshymnen soll man ja bekanntlich vorsichtig sein. Doch was sich beim Sommerfest, dem Chorabend, der historischen Brautmodenschau und vor allem beim historischen Festgottesdienst auf der Kirchwiese abspielte, wird als ein besonderes Kapitel in die Meinerdinger Kirchengeschichte eingehen.

Festgottesdienst750-Predigt1

Pastor Delventhal hat mal im Interview mit der Walsroder Zeitung auf die Frage nach dem Engagement der Gemeinde bei den geplanten Festivitäten zum Jubiläum gesagt, da habe er eigentlich gar nichts anleiern müssen. Die Gemeindemitglieder seien schon ein Jahr vorher auf ihn zugekommen, um ihre Ideen für ein besonderes Jubiläumsfest einzubringen und ihre Hilfe bei der Umsetzung anzubieten.
Natürlich mussten diese Ideen gesammelt und sortiert werden. Letztlich kam dabei ein Jubiläumsprogramm heraus, um das uns nicht nur viele beneiden, sondern auch aktiv daran teilnahmen. Ein offizielles Festkomitee gab es übrigens nicht. Warum auch, wenn es Regisseure im Hintergrund gibt, die alles unaufgeregt so organisieren, dass alle glauben, hier laufe alles von alleine.

Festgottesdienst750-Einzug

Meinerdingen ist in den vergangenen Wochen ein wenig zur „heimlichen Hauptstadt“ des Heidekreises geworden, wenn es darum ging, Menschen von nah und fern mit einem besonderen Programm anzulocken und zu unterhalten. Nach der Ausstellungseröffnung zur Geschichte unserer Kirche im Heidemuseum mit Thorsten Neubert-Preine stand das Sommerfest an, bei dem sich auch viele Vereine und Organisationen mit einbrachten, um die vielen großen und kleinen Besucher zu unterhalten, mit Kaffee und Kuchen, Gegrilltem und Erfrischungsgetränken zu versorgen.

Gemeindefest 750-Buchverkauf

An dem Tag wurde auch erstmals das Buch zum Kirchenjubiläum vorgestellt und verkauft. Ich kann alle beruhigen, die mich gefragt haben, ob mir vom vielen Signieren nicht der Arm weh tut. Hat er nicht. Ich habe ihn abends mit Weizenbier gekühlt.
Und ich habe es dort, wie an den anderen Verkaufstagen genossen, mit „meinen Lesern“ ins Gespräch zu kommen. Ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viel Lob bekommen. Das gebe ich gerne zurück. Das Buch wäre ja nie so toll geworden und sogar vom Landesbischof als „einmalig“ tituliert worden, wenn nicht die Meinerdinger die Hauptrolle darin spielen würden. (Ach ja: Noch gibt es Bücher zu kaufen).

StGeorgSingers_Fest-Konzert


Nach eigener Aussage gibt es nur einen Termin, an dem Henning Hebenbrock Lampenfieber hat: Wenn er als Chorleiter mit seinen St.- Georg-Singers zum „musikalischen Heimspiel“ in der Meinerdinger Kirchscheune auftritt. Und weil Lampenfieber dazu gehört, wenn Auftritte erfolgreich werden sollen, muss „unser Henning“ beim Konzert im Jubiläumsjahr hohes Fieber gehabt haben. Das Konzert mit Liedern aus Rock, Pop, lateinamerikanischen Klängen und Oldies sorgte für Beifallsstürme beim Publikum in der vollbesetzten Kirchscheune. Die Sängerinnen und Sänger hatten sich am Wochenende vorher bei ihrer Chorfreizeit in Bergkirchen auf den Auftritt vorbereitet. Die St.-Georg-Singers präsentierten die Musik mit spürbarer Freude und Leichtigkeit, Henning Hebenbrock moderierte mit Charme und Humor.

Brautmodenschau-2019

Am Pfingstmontag verwandelte sich das Kirchgelände zum Schauplatz einer besonderen Modenschau, die Ute Bremer mit dem Team des Dorfmarker Heimatvereins organisierte und moderierte. Der Weg am Kirchcafé vorbei zum Gemeindehaus wurde zu einem Laufsteg. Männer und Frauen präsentierten bei strahlendem Sonnenschein Brautmode aus den letzten 100 Jahren. Sogar Livemusik gab es zu hören. Wieviel Besucher da waren? Schwer zu sagen.
Kurz nach 15 Uhr war der Butterkuchen ausverkauft, und das Aufbauteam hatte keine einzige Bank mehr in Reserve. Wer will, kann nachrechnen, auf wieviel Besucher er kommt.

Festgottesdienst750-Bischof

Gleiches galt auch nur eine Woche später beim Festgottesdienst mit Landesbischof Ralf Meister. Die Idee, diesem Gottesdienst einen ganz besonderen Rahmen zu geben, stammte von Ute Bremer, die mit ihrem Dorfmarker „Modelteam“ an einem historischen Gottesdienst in Winsen teilgenommen hatte. Wer am Sonntagmorgen nicht erst um Punkt 11 Uhr zum Gottesdienst eintraf, sondern schon vorher da sein durfte oder musste, wurde von Minute zu Minute immer mehr verzaubert.
Immer mehr Menschen erschienen „sonntagsfein“, so wie früher die Menschen den sonntäglichen Kirchgang angetreten waren. Auf der Meinerdinger Kirchwiese fand eine unbeschreibliche Zeitreise statt. Das Besondere daran: Die Zeit stand nicht still. Es herrschte ein fröhliches Treiben, wurde gelacht und wie früher nach dem Kirchgang auch noch bei
Leckereien von Schlachter Bösche und Dageförde sowie aus der Brotmanufaktur Stadtländer und in der Weinecke bei Findeisens ein ausgedehnter Plausch gehalten.
„Also vom Landesbischof bin ich echt positiv überrascht. Der sah so ernst aus.“ Viele Besucher des Festgottesdienstes erlebten einen Landesbischof, der eine nicht alltägliche Predigt hielt. Er machte darin deutlich, dass auch in der „höchsten Etage der Landeskirche“ die kleine Kirchengemeinde in der Lüneburger Heide nicht nur bekannt, sondern auch beliebt ist. Ralf Meister bescheinigte der Kirchengemeinde Meinerdingen und den Menschen, die sie prägen, einmalig zu sein. Und er beglückwünschte sie auch zu ihrem Pastor, der stets vorangehe. Das kam natürlich gut an. Und dem Landesbischof gefiel es so gut, dass er nach seiner Predigt und dem Gottesdienst mit den Besuchern das Gespräch suchte, über den einen oder anderen Scherz mitlachte und selbst den einen oder anderen Schnack beitrug.

Festgottesdienst750-Predigt1

Thomas Delventhal ging in seiner Predigt auf die Meinerdinger Kirchgeschichte ein, ohne eine Lehrstunde zu halten. Und er lieferte auch die Begründung für seinen besonderen Ehrgeiz bei den Musik- und Grillabenden in Meinerdingen. Früher sei der eine oder andere Pastor aus Meinerdingen geflüchtet, weil er für sich und seine Familie nicht mal genug zu essen hatte. „Darum grill ich dienstags immer“, scherzte Delventhal und sorgte dafür, dass seine Zuhörer lachend und zustimmend nickten.

Festgottesdienst750-Predigt-Musik

Meinerdingens „Mister Music“, Organist Hennig Hebenbrock, hatte aus dem Liederbuch moderne Lieder zum Mitsingen ausgesucht und das mit besonderer Sorgfalt und viel Fingerspitzengefühl. Jede Liedzeile schien von Komponist und Textdichter an einem besonders schönen Abend auf der Meinerdinger Kirchwiese entstanden zu sein. Die Gemeinde sang voller Inbrunst jede der „Meinerdinger Hymnen“ mit.

Festgottesdienst750-Gemeinde

Zwei, drei Stunden nach dem Ende des Festgottesdienstes, der  Landesbischof war inzwischen schon auf dem Weg zum nächsten Termin
– einer Wanderung mit Taufe im Raum Hildesheim – machte sich das Auf- und Abbauteam an die Arbeit. Aus Pastor Thomas Delventhal war wieder der Zupacker geworden. So wie er morgens seine Zuhörer mit Worten mitgenommen hatte, packte er nun die Biertischgarnituren an, um sie für die nächste Abendveranstaltung zu stapeln. Das Lächeln ließ sich auch von der schweißtreibenden Arbeit nicht verdrängen.
Es gibt selten Situationen, in denen man glaubt, von einer besonderen Atmosphäre wie auf Wolken getragen zu werden. Wer bei den Veranstaltungen zum Kirchjubiläum in Meinerdingen dabei war, weiß, was gemeint ist. Vermutlich ist doch an dem Gerücht was dran, was angesichts der unvergleichlichen Stimmung die Runde machte: Der liebe Gott ist vielleicht wirklich in Meinerdingen zu Hause…
Eckard Schulz