St.-Georg-Kirche im Mai 2016

 © Birger Schwarz

© Birger Schwarz / Kirchengemeine Meinerdingen 

© Birger Schwarz / Kirchengemeine Meinerdingen 

Das Beste war alles!

Nachricht Meinerdingen, 03. Juni 2026

Delventhal’s Gefühlsmix aus Abschiedsschmerz und froher Zukunftsmusik

Sigrid und Thomas Terrasse

Die Pastoren-Wohnung an der Meinerdinger Kirche ist seit einigen Wochen menschenleer, das neue Domizil an der Benzer Straße bezogen und auch schon ein Stück weit eingeweiht. Die letzten Wochen von Thomas Delventhal als Pastor der Kirchengemeinde sind gezählt. Ein komisches Gefühl begleitet ihn, wenn er morgens mit dem Auto zum Dienst nach Meinerdingen fährt, anstatt die wenigen Meter vom Wohnhaus zum Büro oder zur Kirche zu Fuß zu gehen. Ein eigenartiges Gefühl begleitet uns alle, wenn wir heute an den 10. August denken – den Tag nach seiner feierlichen Verabschiedung. Na ja, fast alle. Thomas und Sigrid beginnen gerade, diese Gedanken zu lieben.

„Wir gewöhnen uns allmählich daran, uns auf die Zeit zu freuen, die wir geschenkt bekommen und ganz gewiss wunderbar genießen werden. Gemeinsam genießen. Darauf freuen wir uns sehr!“ Sigrid ist schneller. Antworten kommen spontan. Ein Strahlen macht ihr Gesicht ansteckend glücklich. Thomas ringt eher um Worte, die seine Vergangenheit passend widerspiegeln. Auf meine Frage nach den schönsten Momenten bekam ich zunächst keine Antwort. „Vieles war eine Fügung“, beschreibt er die persönliche Geschichte der letzten 30 Jahre und acht Monate. Eine Erfolgsgeschichte.

Sigrid und Thomas Kirche

„Man hat uns im September 1995 von Oldenburg aus auf eine Freizeit nach Rotenburg geschickt. Unsere Kinder waren klein. Wir haben vor der Heimreise einen Abstecher nach Walsrode gemacht, das lag ja gefühlt auf dem Weg. Dort war eine Pastoren-Stelle ausgeschrieben“, bezeichnen Thomas und Sigrid das erste Kennenlernen als Liebe auf den ersten Blick. Walsrode gefiel ihnen nicht, Meinerdingen um so mehr. „Die Nachmittagssonne schien warm auf die schöne Kirche. Sie hat es uns so angetan.“ Es war eine erste Fügung. Nach Rückkehr bewarb er sich, wenige Wochen später hatte er die Stelle bekommen. Am 27. November 1995 ist die Familie mit Kind und Kegel nach Meinerdingen gezogen. Am ersten Advent wurde Thomas Delventhal im Amt eingeführt. Die Delventhal’s haben sich vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt.

Das erste Sommerfest im Jahre 1997 – es gehörte eindeutig zu den schönsten Momenten. „Es war ein so besonderes Fest, weil alle gekommen sind“, freute sich Thomas damals und seit jeher über die vielen Menschen, die den Einladungen der Kirchengemeinde gefolgt sind. „Es waren die Menschen-Erlebnisse, die mich und uns so beseelt haben.“ Sigrid ergänzt energisch: „Du hast für deine Gemeinde gesorgt. Du hast sie begleitet von der Geburt bis zum Tod. Und manchmal hast du sogar auch die Kinder derer getauft und konfirmiert. 30 Jahre lang. Mehr als eine Generation!“ Sigrid hat währenddessen ihre eigenen Felder ausgemacht und neben den eigenen Kindern auch Krabbelgruppen betreut und weitere Gruppenleitungen generiert. In Meinerdingen begann man, Kirche neu zu denken und zu leben. Die Handschrift eines modernen Theologen mit großer Sozialkompetenz in einem Umfeld voller Mitstreiter, die sich von guten Ideen anstecken und zum Mitmachen aktivieren ließen, zeigte Wirkung.

Ein großer Moment war dann die Gründung der Stiftung. „Wir haben Klinken geputzt – aber erreicht, dass sich so viele Menschen verbunden fühlten und sich einbringen wollten. Großartig“, freuen sich Thomas und Sigrid gemeinsam darüber, dass Menschen kamen und mitmachen wollten.  Der Bann gebrochen ist dann zur Fußball-WM 2006. Public Viewing. Sommermärchen. Die Kirchscheue wurde dafür erstmals hergerichtet und mit Technik ausgestattet. Sie bebte bei den Spielen der Deutschen Nationalmannschaft. Ein Traum für alle Fußballfans wurde wahr. So auch für Thomas Delventhal beim nachträglichen Schwärmen für diese Zeit. „Der Fußball ist seit meiner Kindheit mein Begleiter. Im Sommer 2006 haben wir unvergessliche Stunden verbracht. Es war phantastisch.“

Sigrid und Thomas Bierglas

Auf meine Frage, ob die Corona-Pandemie negativ haften blieb, folgt ein klares Nein. „Im Gegenteil. In dieser Zeit haben wir uns noch intensiver zusammengeschweißt und ganz besondere und schöne Gottesdienste gefeiert.“ Dennoch war es eine verkehrte Welt. Hatte die Kirchengemeinde doch erst wenige Monate zuvor ein grandioses Jubiläumsfest gefeiert und mit vereinten Kräften das große Jubiläum der Kirche auf ganz besondere Art und Weise gewürdigt. „Nach der Pandemie hatte man das Gefühl, dass noch mehr Menschen zu den Veranstaltungen kamen.“ Es ging weiter. Die Grillabende erlebten ein Comeback. Tolle persönliche Entwicklungen wurden sichtbar. „Wir haben uns weiter geöffnet und verjüngt. Corona hat dafür gesorgt, dass wir noch enger zusammenrückten.“ Sigrid Delventhal organisierte inzwischen Personaleinsätze in einem Kirch-Café-Team, das aus mehr als 30 Mitgliedern bestand – sie alle arbeiten freiwillig, ehrenamtlich, voller Gastfreundschaft und Wertschätzung. Der Lohn sind nette Worte und ein Dankeschön als einzige Gegenleistungen.

„Menschenkenntnis vielleicht. Abspüren, mit wem man es im Leben und im Beruf zutun hat“, beschreibt Sigrid die beste der vielen guten Eigenschaftes ihres Ehemanns, die vielleicht der Schlüssel für vieles war. „Und das Vertrauen, dass sich alles im Leben fügt!“ Gegen Ende der Dienstzeit war Beiden klar, dass sie irgendwann den schönen Wohnort Meinerdingen verlassen mussten. Doch auch das Suchen und Finden eines neuen Wohnhauses fügte sich ein in die vorherige Serie. Das Haus in der Benzer Straße wurde gefunden, gemeinsam renoviert und steht jetzt für einen Neubeginn im Ruhestand bereit. Aber was war das Schönste in gut 30 Jahren Meinerdingen? Ich wollte es am Ende eines ganz besonders intensiven Gespräches auf der abendsonnendurchfluteten frischgepflasterten Terrasse wirklich wissen. „Ich weiß es nicht, liebe Heide. Ich glaube, das Schönste war alles.“