Am 9. August wurde Pastor Thomas Delventhal in den Ruhestand verabschiedet. 600 Menschen auf der Kirchwiese und die sengende Sommersonne strahlten um die Wette. Dieses Datum hatte den HauptdarstellerInnen und der gesamten Kirchengemeinde im Vorfeld aufregend im Magen gelegen. Und so wurde es nicht überraschend ein Nachmittag der Erinnerungen an 30 Jahre Pastorengeschichte, der persönlichen Rückblicke und großen Emotionen – es wurde ein Fest der grenzenlosen Dankbarkeit.
„Es war mir eine Freude“ – mit diesen Worten leitete Thomas Delventhal das Einladungsschreiben zu seiner Verabschiedung ein, gerichtet an einen großen Kreis von MitstreiterInnen und Mitglieder der Meinerdinger Ehrenamtsfamilie, die seit dem Dienstantritt im Jahre 1995 zu treuen und mittlerweile auch befreundeten Wegbegleitern wurde. Vier Wochen vor der Veranstaltung las sich alles fröhlich und sachlich. Je näher das Ereignis kam, desto größer wurde der Kloß im Hals und das Grummeln im Bauch. Am Tag der Verabschiedung folgten bei „Pastorenwetter“ und besten äußerlichen Bedingungen viel mehr Menschen der Einladung als erwartet, es lag eine ganz besondere Spannung in der Atmosphäre. Es schien so, als hätte der Himmel seine Boten geschickt, um an der Verabschiedung teilzunehmen und über der Kirchwiese zu wachen.
Glockengeläut. Ein letzter Gottesdienst, eine letzte Predigt an die Gemeinde, ein letztes Mal im schwarzen Talar in Amt und Würden auf der Kirchwiese stehen – all das haben die Menschen bei 34 Grad Celsius verinnerlicht, als nach 30 Jahren und 8 Monaten an diesem Nachmittag im August die Ära Thomas Delventhal zu Ende gegangen ist. Beeindruckend waren Festreden voller Dankbarkeit und Zuneigung, jede einzelne von ihnen bestückt mit ganz persönlichen Auszügen aus besonderen Begegnungen oder Erlebnissen. Beim Zuhören dieser Best-of-Geschichten aus 30 Jahren Meinerdinger Gemeindeleben wurde Aufmerksamkeit mit Hineinversetzen in die Story belohnt, Lächeln, Kopfnicken oder Schmunzeln der Gäste wurden äußere Zeichen der Zustimmung. Großen Applaus gab es für den Lieblingspastor und die Vielzahl authentischer RednerInnen. Die Liste war lang, die Energieleistung aller Anwesenden groß, denn die Sonne schien, als würde auch sie die letzten Jahre Revue passieren lassen und zum Abschluss eines Kapitels an diesen Ort eine besondere Wärme schicken. Welch ein Tag, welche eine wunderschöne Stimmung.
„Wir haben lange nachgedacht, um die passenden Worte für den heutigen Tag zu finden. Nicht, weil uns nichts einfiel, sondern weil wir irgendwie nicht wahrhaben wollten, dass dieser Tag wirklich kommt.“ Dieser Satz spiegelte sich in Beiträgen, aber auch in den Köpfen der Menschen wider, die dabei waren. Abschied von Thomas Delventhal? Geht das? „Bei dir ist immer Platz“, fasste Ortsvorsteher Cord Bergmann zusammen, was den Pastor Thomas Delventhal so besonders gemacht hatte. „Die Menschen haben es gespürt und sind gekommen. Du hast die Gemeinde als treibende Kraft mit Herzblut und Visionen zu der gemacht, die sich uns heute darstellt. Hab Dank für Leidenschaft und den Mut, etwas Neues auszuprobieren.“
Henning Hebenbrock, einer der wenigen Beteiligten, die schon in Meinerdingen aktiv waren, bevor Thomas Delventhal kam, sang Abschiedsworte in Anlehnung an dieselbe (grün-weiße) Fußball-Leidenschaft mit alter Melodie, aber wunderschönem neuen Text. „Wir machten Unmögliches wahr, lebten Kirche mit Herz und Verstand, du mit Worten, ich mit Musik. Es war einfach wunderbar, ich bin dankbar Jahr für Jahr. Meinerdingen lebendig lebenslang. Du bist am Ziel. Vor deiner Rente wird mir bang‘. Ich wünsch dir Gottes Segen, Gesundheit noch dazu, Zufriedenheit und Nähe - und auch ein bisschen Ruh!“
Als Superintendent Ottomar Fricke den formalen Akt der Entpflichtung vornahm, wurde es tatsächlich ruhig, es herrschte eine gespannte Stille, kurzes Innehalten und Realisieren, bevor Fanfaren des Vorbrücker Musikzuges die Meinerdinger Fröhlichkeit mit tosendem Spiel wiederherstellten. Im Konfettiregen verließ Thomas Delventhal die Bühne – eine Schluss-Szene mit ganz viel Aussagekraft.
Heide Tegtmeier